Bärenmärkte & Crashs
Bärenmarkt verstehen: Drawdown, Dauer und Erholung
Die bekannte 20-Prozent-Marke ist eine Konvention, keine Naturgesetzlichkeit. Für das eigene Portfolio sind Tiefe, Dauer und der Weg zurück oft aussagekräftiger als das Etikett allein.
Kurzantwort
Ein Bärenmarkt beschreibt einen starken Rückgang – aber nicht jedes Portfolio gleich.
Üblicherweise wird bei einem breiten Aktienindex von einem Bärenmarkt gesprochen, wenn er mindestens 20 Prozent fällt. Definition, Startpunkt, Datenfrequenz und betrachteter Index beeinflussen jedoch die Einordnung. Ein Multi-Asset-Portfolio kann einen anderen Drawdown und eine andere Erholungsdauer erleben.
Fiktive Monatswerte: 100, 95, 80, 75, 82, 90, 100. Keine historische Marktphase, Zahlungsströme, Gebühren oder Steuern. Drawdown = Wert / bisheriges Hoch − 1.
Wie weit fiel der Wert vom vorherigen Höchststand bis zum Tiefpunkt?
Wie lange dauerte der Rückgang und wie lange blieb das Portfolio unter dem alten Hoch?
Welche Zwischenbewegungen, Einzahlungen und Assetklassen prägten das Ergebnis?
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Die 20-Prozent-Grenze ist eine praktische Konvention
Investor.gov beschreibt einen Bärenmarkt allgemein als Phase fallender Aktienkurse und pessimistischer Stimmung; häufig wird ein Rückgang eines breiten Marktindex von mindestens 20 Prozent über wenigstens zwei Monate verwendet.
Diese Definition hilft bei der Kommunikation, trennt aber nicht zuverlässig zwischen harmlos und gefährlich. Ein Rückgang von 19 Prozent kann für ein konzentriertes Portfolio erheblich sein. Umgekehrt kann ein diversifiziertes Gesamtportfolio weniger fallen als der betrachtete Aktienindex.
Wer von einem Bärenmarkt spricht, sollte Index, Währung, Start- und Endpunkt sowie Datenfrequenz nennen.
02
Drawdown und Recovery beantworten unterschiedliche Fragen
Der Drawdown misst den Verlust gegenüber einem vorherigen Höchststand. Der Maximum Drawdown ist der größte dieser Rückgänge im gewählten Zeitraum. Die Recovery Time beschreibt, wie lange es vom Tiefpunkt oder – je nach Methodik – vom Beginn des Drawdowns bis zur Rückkehr zum alten Höchststand dauerte.
Ein kurzer, tiefer Einbruch kann psychologisch anders wirken als ein langes, schrittweises Minus. Beide können denselben Endwert erreichen. Deshalb sollte historische Krisenanalyse mindestens Tiefe und Zeit gemeinsam zeigen.
03
Historische Episoden sind Stressbilder, keine Prognosen
Ein historischer Pfad beantwortet eine Wenn-dann-Frage: Wie hätte die aktuelle Portfoliozusammensetzung unter den verwendeten Annahmen in einer vergangenen Episode reagiert? Er sagt nicht voraus, welcher Auslöser als Nächstes kommt oder welche Anlageklasse Schutz bietet.
Indexzusammensetzungen, Produkte, Währungen und Marktstrukturen verändern sich. Rekonstruierte Daten können zudem Modellannahmen enthalten. Diese Grenzen müssen sichtbar bleiben.
- Historischer Zeitraum und Datenquelle
- Verwendete Indizes oder Stellvertreter
- Währung und Wechselkurse
- Rebalancing-Annahmen
- Gebühren, Steuern und nicht verfügbare Daten
04
Vorbereitung beginnt vor der nächsten Krise
Ein nüchterner Review prüft, ob das Portfolio in einer belastenden Episode innerhalb der selbst akzeptierten Risikogrenzen geblieben wäre. Das Ergebnis kann Anlass sein, Annahmen und Tragfähigkeit erneut zu prüfen – nicht automatisch die Allokation zu ändern.
Hilfreich sind dokumentierte Liquiditätsreserven außerhalb des analysierten Portfolios, ein realistischer Zeithorizont und klare Entscheidungsregeln. Metrum selbst kennt keine Cash-Bestände und kann persönliche Verpflichtungen nicht beurteilen.
FAQ
Häufige Fragen
Ist jeder Kursrückgang von 20 Prozent ein Bärenmarkt?
Die 20-Prozent-Marke ist eine verbreitete Konvention. Die konkrete Einordnung hängt auch vom betrachteten Index, Zeitraum und der Datenfrequenz ab.
Beginnt die Erholung am Tiefpunkt?
Das hängt von der verwendeten Kennzahl ab. Recovery kann die Zeit vom Tiefpunkt bis zum alten Hoch oder die gesamte Unterwasserperiode ab dem vorherigen Hoch bezeichnen. Die Methodik sollte deshalb immer genannt werden.
Kann eine historische Simulation den nächsten Crash vorhersagen?
Nein. Sie zeigt lediglich, wie eine Zusammensetzung unter definierten historischen Annahmen reagiert hätte. Ursache, Verlauf und Korrelationen einer zukünftigen Krise können anders sein.
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